Leipziger war mit Reinhold Messner einfach mal weg
von Kerstin Decker
Einfach mal weg, aus der Zivilisation verschwunden war der Leipziger Jörg Hartig. Zumindest für zweieinhalb Wochen. Mit einer Trekkinggruppe, die von Reinhold Messner angeführt wurde, war er in Nepal unterwegs. Wie Pioniere versuchten sie, dem unbestiegenen Berg Machapuchare so nahe wie möglich zu kommen. Dessen Doppelgipfel ist vom früheren nepalesischen König 1964 mit einem Besteigungsverbot belegt worden. Hartig war der einzige Ostdeutsche im 20-köpfigen Trekkingteam. “Im Verlauf des Trekkings haben wir uns dem heiligen Berg von Südosten genähert, so weit und so nah, wie es in den letzten Jahrzehnten kein Trekker getan hat. Die Naturerlebnisse waren überwältigend schön.” Die Tour erforderte keine besonderen bergsteigerischen Kenntnisse. Dafür jedoch Bergwandererfahrung, passagenweise Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie ausreichend Kondition für vier bis sieben Stunden Gehzeit pro Tag mit Tagesrucksack. Die größte Schlafhöhe im oberen Seti Khola lag bei rund 4400 Metern. Nach dem Trekking schlossen sich zwei Tage Erholung in Pokhara und zwei Tage in Kathmandu an. „Ich bin auf einem Bauernhof bei Leisnig aufgewachsen. Die Natur, die Wälder waren immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Zu meinem 40. Geburtstag hatte ich schon lange an eine Nepalreise gedacht”, erzählt Hartig. Außerdem gab es eine weitere Motivation: Der Psychotherapeut und Coach hat oft mit Klienten zu tun, die in Stress- und Burnout-Situationen stecken, an der Leistungsgrenze sind. Um sie glaubwürdig beraten zu können, stellt er sich ab und zu selbst seinen Grenzen. Und die gab es: Bei Regen, Nebel und Hagelsturm, bei minus 15 Grad in der Nacht und eingeschneiten Zelten, bei Märschen bis über 4600 Meter Höhe mit steilem Abfall links und rechts, bei Verdauungsbeschwerden und Blutegelbefall. “Diese Tour hat definitiv dazu beigetragen, mich wieder ein Stück reifen zu lassen”, schätzt Jörg Hartig ein. Reinhold Messner hat er als einen freundlichen, souveränen und zielbewussten Mann erlebt, der mit seinen 66 Lebensjahren eine große Kraft, Ausdauer und Erfahrung ausstrahlt. “Er war der Gruppe ein exzellenter Begleiter, Führer, Unterstützer und Ratgeber. Und an den Abenden im Camp hat er als ,Gute- Nacht-Geschichte’ regelmäßig, gern und mitreißend von seinen Expeditionen und Erfahrungen berichtet.” Das gemeinsame Foto der beiden, das sie beim Biertrinken zeigt, entstand übrigens nach dem Abstieg vom letzen Höhenlager. Bei frostigen kalten Morgentemperaturen nahm die Truppe eine Strecke von etwa 17 Kilometern in Angriff, die einen Abstieg von reichlich 2400 Metern beinhaltete. Bei der Ankunft gegen Mittag im ersten Gurung-Bergbauerndorf herrschten dann schon 32 Grad. “Nach zwölf Tagen mit abgekochtem Wasser oder Schwarztee war das Bier eine Offenbarung”, schmunzelt Jörg Hartig. Auf dem Bild (oben) strahlt er, weil es ihm zwei Tage vorher am Berg gar nicht gut ging. Dann aber waren “sein” Sherpa und er in Rekordzeit am Ziel, als Zweite nach Reinhold Messner.
Quelle: © LVZ-Online, 21.05.2010, 14:51 Uhr






